Wenn Proteste in Nordafrika gewaltsam unterdrückt werden, dann findest du den Machthaber zwar doof, aber eigentlich bist du vorallem froh, dass du nichts damit zu tun hast.
Wenn du in Moldawien bist, und das gleiche in Kiew und anderen ukrainischen Städten passiert, dann ist das plötzlich im Nachbarland und deine Freunde und Bekannte müssen zu Seminaren dort hin.
Wenn es Militäreinsätze im nahen Osten gibt, dann findest du das natürlich schrecklich, aber du weißt auch, dass dir selber nichts passieren kann, denn das alles ist weit weg von dir.
Wenn das russische Parlament Putin die Erlaubnis gibt, Militäreinheiten nach Krim zu entsenden, dann fängst du plötzlich an zu googlen, wie weit das eigentlich weg ist.
8h23min mit dem Auto, sagt Google maps.
Dann fragst du dich, was aus deinem Sommerurlaub wird, den du in Odessa verbringen wolltest, und ob du die Ukraine direkt von deiner Liste mit Reisezielen streichen kannst.
Dann überlegst du dir, ob du nicht gerade deswegen dorthin fahren solltest, um später deinen Enkeln erzählen zu können, dass du dabei warst, als die Dinge passiert sind, die sie dann im Geschichtsunterricht lernen.
Und auf einmal ist alles so nah und so real.
Und wieder einmal wird dir klar, wie viel Glück du hast, weil du in Deutschland geboren wurdest. Aber auch, weil du die Chance hast, diese Erfahrungen zu sammeln.